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Depressive Erkrankungen nehmen häufiger als ursprünglich vermutet, nämlich
bei ca. einem Drittel aller Fälle einen chronischen Verlauf. Mit Hilfe moderner
Klassifikationssysteme lassen sich chronische (d.h. eine Dauer von mehr als 2
Jahren) Depressionen in verschiedene Formen unterteilen (Abb. 1):
- chronische Major Depressive Episoden (MDE),
- dysthyme Störung (leichter ausgeprägte Symptomatik),
- Double Depression (MDE auf eine dysthyme Störung aufgesetzt) und
- MDE mit unvollständiger Remission.
Die Auswirkungen dieser Störungen übertreffen die der akut episodenhaft
auftretenden Depression um ein Vielfaches, denn chronische Depressionen führen
zu ausgeprägterer psychosozialer und beruflicher Beeinträchtigung sowie einer
höheren Inanspruchnahme des Gesundheitssystems, darunter auch stationärer
Behandlungen. Außerdem besteht eine höhere Komorbidität mit anderen
psychischen Erkrankungen, insbesondere mit Angststörungen, Alkoholismus und
Persönlichkeitsstörungen sowie häufigere Suizidversuche als bei akuten
Depressionsformen. In mehr als 70% der Fälle beginnt die Störung bereits vor
dem 21. Lebensjahr, verläuft häufig lebenslang und steht in der Regel im
Zusammenhang mit frühen Traumatisierungen und Belastungen in der Kindheit. In
der Vergangenheit galt diese Störung als schwer zu behandeln bzw. als
therapieresistent. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen allerdings, dass
chronische Depressionen meist nur suboptimal behandelt werden.

Abb. 1 Formen chronischer Depression (in Anlehnung an Dunner 2001x)
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